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Argentinien, Dezember 2006 / Teil 4

  • Teil 1 Surfen, Klettern und Golf spielen in Argentinien
  • Teil 2 Lanin, 3776m SH
  • Teil 3 Arroyo Casa de Piedras, Rio Pantojo / Rio Pireco
  • Teil 4 Jahreswechsel 2006/2007, Cerro Capilla 2167m SH


Für den Jahreswechsel 2006/2007 haben wir uns ein attraktives Ziel ausgesucht. Wir wollen in einer 2-tägigen Aktion den Cerro Capilla besteigen.

Dieser Gipfel, der im Parque Nacional Nahuel Huapi noch einmal in einer besonders geschützten Zone liegt, ist nur mit einigem Aufwand zu erreichen. Zunächst müssen wir mit unseren Kajaks einige Kilometer über den Lago Nahuel Huapi paddeln, denn der Einstieg in unsere Bergtour liegt in einer kleinen Bucht, die nur per Boot erreichbar ist. Inklusive Bergausrüstung, Schlafsäcken, Kocher und Verpflegung für gut 2 Tage sind die Kajaks schwer beladen und der Gegenwind, der uns konstant von Westen her um die Nase weht, macht die Überquerung des Brazo de la Tristeza, einem Seitenarm des riesigen Sees, nicht einfacher.

Eine knappe Stunde dauert die Überfahrt, dann tauschen wir Boote und Paddeln gegen Bergschuhe und Rucksäcke. Der Weg durch die dichte Vegetation ist nicht immer einfach zu finden... man merkt, dass hier nicht oft jemand wandert, so dicht ist alles bewachsen. Oft geht es steil bergauf und an einigen Stellen sind wir froh, auf ein paar Fixseile zu treffen. Nach einigen Stunden "harter Arbeit" bei knapp 30 Grad Hitze haben wir unser Tagesziel erreicht: das Biwak Slovenia auf etwa halbem Wege zum Gipfel. Der slovenische Andenverein (ja so etwas gibt es!) hat hier inmitten unberührter Natur eine kleine Biwakschachtel errichtet, die mit einem funktinsfähigen Holzofen sogar etwas Komfort bietet. Das nuzten wir auch gerne aus, denn mittlerweile ist es draussen recht ungemütlich. Der Wind ist beständig stärker geworden und es hat angefangen zu regnen.

Bei Nudeln mit roter Sosse und dem Luxus einer Flasche Wein verbringen wir den Sylvesterabend. Auf ein glückliches Jahr 2007!!!



Am nächsten Morgen erleben wir direkt eine Überraschung: von den sommerlichen Temperaturen, die wir gestern noch beim Aufstieg hatten, ist nichts mehr zu spüren! Unser Thermometer zeigt -2 Grad im Inneren der Biwakschachtel und nur zögerlich klettern wir aus unseren Schlafsäcken. Beim Blick nach draussen wird schnell klar: oben am Berg hat es die ganze Nacht geschneit. Die ersten Zweifel stellen sich ein: ob wir trotzdem einen Versuch auf den Gipfel zu kommen, unternehmen sollen? Ja! Mit warmen Tee und einem guten Frühstück im Magen machen wir uns auf den Weg. Die Bewegung macht uns warm; und der Weg ist schwierig und an einigen Stellen auch nicht ganz ungefährlich. Wir klettern über z.T. feuchte und vereiste Felspassagen, gehen über steinhart gefrorene Schneefelder und müssen immer wieder kleine Wasserläufe queren. Dazu schneit es kontinuierlich weiter, der Wind bringt immer mehr dunkle Wolken von Westen, vom Pazifik zu uns her. Den Gipfel haben wir schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen. Eingehüllt in dichten Nebel präsentiert sich "unser Neujahrsberg" nicht gerade von seiner besten Seite. Nachdem wir mal wieder ein Schneefeld mit einigen unangenehmen Spalten hinter uns haben und im weiteren Anstieg zum Gipfel sehr steile Passagen mit alten Lawinen ausmachen können, treffen wir die Entscheidung. Dieser Sattel, auf dem wir gerade im eiskalten Wind stehen, ist das Ende unseres "Ausflugs". Weiterzugehen wäre unter diesen Bedingungen sehr riskant. O.k., auch bis hierhin haben wir eine tolle Tour hinter uns und damit einen schönen Einstieg in ein neues Jahr!





Der Abstieg zum Biwak dauert in diesem schwierigen Mixed-Gelände fast ebensolang wie der Aufstieg. Dort angekommen kochen wir uns erst noch eine warme Suppe, bevor wir mit unserem ganzen Gepäck auf dem Rücken den weiteren Rückweg antreten. Immer noch schneit es! Unten am See, in der Bucht, in der uns unsere Boot erwarten, ist der Schnee dann in Regen Übergegangen. Doch hier ist es nun der Wind, der hohe Wellen auf den See und uns damit noch einmal Sorgenfalten auf die Stirn zaubert. Zum Teil als Rückenwind zum Teil von der Seite kommend, macht er unsere Überfahrt in die Bahia Lopez mit unserem Gepäck auf den Kajaks noch einmal spannend. Doch nach knappen 45 Minuten haben wir es geschafft! Wir sind wohlbehalten , müde und zufrieden zurück von unserem Neujahrsabenteuer!

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Copyright © Jutta Kaiser