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Patagonien 2006

2 Menschen – 125 km Weg - > 40 kg Gepäck
Der berühmte Nationalpark im Süden Chiles, in der Provinz „Der letzten Hoffnung“ nahe dem Ort Puerto Natales gelegen, ist unser Ziel für die nächste Zeit.

 

Ausgerüstet mit Zelt, Schlafsäcken, Kocher und Lebensmitteln für 9 Tage machen wir uns auf den Weg. Die Rucksäcke wiegen weit über 20 kg, müssen wir doch damit rechnen, dass es sehr kalt und sehr nass werden kann hier in dieser Gegend. Doch am ersten Tag sieht es sehr gut aus: das patagonische Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und nachdem wir das Zelt im ersten Camp aufgebaut haben, machen wir uns in kurzer Hose und T-Shirt bei 25° C auf den Weg zu den berühmten Torres del Paine. Die markanten Granittürme, die dem ganzen Nationalpark ihren Namen geben, sind das Ziel unzähliger Wanderer, die staunend wie wir am Aussichtspunkt an der kleinen Lagune unterhalb der Türme ankommen. Doch das gute Wetter lockt natürlich auch diejenigen hier hoch, die Größeres vorhaben und so können wir viele Kletterer beobachten, die ihre riesigen Materialsäcke an die Einstiege in die Kletterrouten schleppen. Mehrere Stunden lang sitzen wir einfach nur hier und lassen die Umgebung auf uns wirken.

Nach den tollen Eindrücken am ersten Tag fällt das Schultern der Rucksäcke am zweiten Tag zunächst leicht. Sind doch gar nicht so schwer! Zumindest nicht in der ersten Stunde… die Wahrnehmung wird sich im Laufe des heutigen Tages noch verändern. Doch im Moment haben wir noch Augen für alles was neben dem Weg so auftaucht, wie z.B. die Sträucher voll mit den für die Region berühmten Calafate-Beeren. Wir sind auf dem Weg in den zentralen Teil des Gebirgszugs, unser Weg führt am Lago Nordenskjöld vorbei ins Valle del Frances. Die Namensgebung ist bereits ein Indiz dafür, dass Europäer hier seit langer Zeit stark vertreten waren und auch wir treffen am heutigen Tag viele Deutsche, Schweizer und Franzosen. Nach 9 Stunden Wanderung erreichen wir gegen Abend das hoch im Tal gelegene Camp Britanico. Nur wenige tragen ihre Ausrüstung ganz bis hier hoch, denn die Anstiege am Talanfang sind auch ohne Gepäck schon anstrengend. Doch das gute Wetter beflügelt uns, es ist fast wolkenlos und so hoffen wir auf stimmungsvolle Abendlicht-Impressionen an den uns umgebenden Bergen. Um dafür einen optimalen Aussichtsplatz zu erreichen wandern wir vom Camp sogar noch mal gut 1½ Stunden weiter bergauf. Und werden für unsere Mühen belohnt! Tolle Blicke auf die Cuernos del Paine und die Rückseite der Torres haben wir von hier für uns ganz alleine!

 

Tag 3 beginnt mit leichtem Regen und so mit einem etwas späteren Aufbruch. Der lange Tag gestern hat viel Kraft gekostet und so ist der Weg aus dem Valle Frances hinaus, über einen Sattel und zum Lago Pehoe heute bereits beschwerlich. Der heftige Regenschauer am Lago Pehoe setzt zum Glück erst ein, als wir gerade eben einen Unterstand erreicht haben, in dem wir trocken und warm sitzen. In etwa die Hälfte des Weges steht uns noch bevor, und meinen Füßen geht es jetzt schon schlecht! Doch frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg, als es aufhört zu regnen. Leider in die falsche Richtung!!! Die Beschilderung haben wir übersehen; der Wegverlauf kommt uns zwar komisch vor, doch erst als wir entgegenkommende Wanderer fragen können, bemerken wir endgültig unseren Fehler. Eine halbe Stunde umsonst gelaufen! Das hat gerade noch gefehlt! Bei leichtem Nieselregen und Gegenwind kämpfen wir uns dann in Richtung des Grey-Gletschers. Dort, wo man zum ersten Mal einen Blick auf diese beeindruckende Gletschermasse werfen kann, sehen wir fast gar nichts. Der Gegenwind ist so stark, dass ich kaum vorwärts komme, Manfred ist voraus und bietet mir auch keinen Windschatten mehr und die Augen hält man zum Schutz am besten halb geschlossen in Richtung Boden. Als wir endlich am nächsten Camp ankommen, wird es fast dunkel und beginnt wieder zu regnen. Schnell das Zelt aufgebaut und in die Schlafsäcke gekrochen. Abendessen kochen und essen geschieht heute nur noch vom Bett aus. Kaum sind die letzten Nudeln hinuntergeschluckt, fallen wir in die Waagerechte und schlafen sofort ein.

 

Text: Jutta Kaiser, Fotos: Jutta Kaiser und Manfred Beer

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