Home | News | Profil | Kurse | Galerie | Sponsoren | Kontakt

Lanin - Gipfel Erfolg im 2. Anlauf

Wir haben versprochen: wir kommen wieder! Und hier sind wir!

Gut vier Wochen nach unserem ersten Besteigungsversuch am Vulkan Lanin stehen wir nun bei völlig anderen - viel besseren! - Verhältnissen wieder bei den Rangern am Informationszentrum des Nationalparks. Sie erkennen uns wieder, wissen, dass wir im vorherigen Monat bei winterlichen Verhältnissen eine Nacht dort oben alleine am Berg in der Biwakschachtel verbracht haben. Nun sieht es anders aus: so gerade eben bekommen wir noch einen Platz in einer der drei Biwak-Möglichkeiten am Lanin. Denn die Zahl der Bergsteiger, die sich gleichzeitig dort oben aufhalten darf, ist aus Sicherheitsgründen begrenzt, und wer keinen Platz bekommt, muss warten. Und es ist voll hier am Berg! Kein Wunder, denn der Wetterbericht für die nächsten Tage ist super: strahlend blauer Himmel, sommerliche Temperaturen, kein(!) Wind – eine Seltenheit an diesem Vulkan, der ganz alleine mitten im Nationalpark steht und damit den Fronten, die von Osten kommen sehr ausgesetzt ist.

Gemeinsam mit vielen anderen Bergsteigern machen wir uns am Vormittag auf dem Weg. Besser man steigt früh auf, denn gegen Mittag wird es im unteren Teil in den schwarzen Lava-Feldern sehr warm, außerdem gibt es auch hier die lästigen Tabanos (Pferdebremsen), die einem das Leben wirklich schwer machen können – und je wärmer es ist, desto lieber kommen sie aus ihren Verstecken.

Schnell kommen wir voran; was für ein Unterschied zu dem mühevollen 1. Aufstieg!!! Gegen Mittag passieren wir zunächst die erste Biwak-Möglichkeit, doch unser Platz für die Nacht ist etwas weiter oben dieses Mal. Eine halbe Stunde später erreichen wir dann auch das Refugio Viejo Militar. Direkt am Rande des Gletschers auf ca. 2500m gelegen, haben wir von hier geniale Blicke auf Eistürme und blaue Spalten – es ist viel Bewegung im Gletscher dank des heißen Wetters. Ganz gespannt sitzen wir da und schauen diesem Naturspektakel zu.

Wir verbringen einen ruhigen Nachmittag, in dessen Verlauf immer mehr Bergsteiger eintreffen. Es ist eine nette internationale Runde, die hier oben für eine Nacht eine Gemeinschaft bildet: es werden Erfahrungen ausgetauscht und Pläne für den nächsten Gipfeltag gemeinsam geschmiedet. Bereits am Abend heißt es noch mal, die Ausrüstung durchzugehen: Steigeisen, Pickel, Stirnlampen usw… Wir werden bereits in den frühen Morgenstunden aufbrechen, da ist es noch dunkel – besser es ist alles bereits fix und fertig gepackt.

Nach einer kurzen Nacht stehen wir um 4.00 Uhr in der Früh dann auch wirklich mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken abmarschbereit da. Ein genialer Sternenhimmel spannt sich über uns und das Licht, dass von Gletscher und Schneefeldern reflektiert wird, reicht uns völlig aus, um unseren Weg zu finden. Schweigend steigen wir auf, nur das leise Geräusch unserer Steigeisen im Schnee ist zu hören, Meter für Meter gewinnen wir Höhe und nähern uns dem Gipfel. 1300m Höhenmeter haben wir zu bewältigen, je höher wir kommen, desto steiler wird das Gelände.

Langsam wird es Tag; im Osten sieht man am Horizont bereits das erste Licht und dann ist auch schon die Sonne komplett am Himmel zu sehen. Tolle Blicke im ersten Morgenlicht eröffnen sich auf die Vulkane der Umgebung: Villarica, Llaima – alte Bekannte! Um 8.00 Uhr, quasi zum Frühstück sind wir am Gipfel – alleine. Weiter unten haben wir viele weitere Gruppen von Bergsteigern erkennen können, doch noch ist kein anderer hier oben. Zwei volle Stunden genießen wir das Panorama und die Stimmung am Gipfel – dann machen wir uns auf den Rückweg. Nun treffen wir auch auf die Bergsteiger, mit denen wir die Nacht im Biwak verbracht haben; auch sie werden gleich den höchsten Punkt erreichen.

Beschwingt von den tollen Eindrücken geht der Abschnitt rasend schnell; am Refugio packen wir unsere Schlafsäcke und Kocher ein und marschieren dann direkt weiter ins Tal. Nur 29 Stunden nach unserem Start sind wir bereits wieder unten am Informationszentrum; so schnell kann man sich einen Traum erfüllen!

Als Fazit für uns bleibt: der 3776m hohe Vulkan ist bei sommerlichen Verhältnissen eine anspruchsvolle „Wanderung“, doch eine Besteigung zum falschen Zeitpunkt, bei Wind und Schneestürmen wie bei unserem ersten Versuch, kann schnell gefährlich werden.

Seitenanfang

Copyright © 2005-2007 Jutta Kaiser