Nach seinem Sieg bei der WM 2003 in Graz zeigt Stephan „Förster“ Pätsch auch in Kanada, dass ihm
„große Playspots“ im OC Spaß machen. Hatten viele im Vorfeld des Wettkampfes noch Zweifel, ob die OC-Fahrer
überhaupt die Buseater-Welle surfen können, so zeigten die Männer in ihren „Badewannen“, wie die offenen Kanadier
auch oft genannt werden, dass sie sich auf der Riesen-Welle durchaus wohl fühlten.
Mit Stephan Pätsch und Tobias Hüther hatten direkt zwei Deutsche den Einzug ins Finale der besten 5 geschafft.
Und bei der diesjährigen WM wurde zum ersten Mal ein neues Wettkampfformat ausprobiert: das altbekannte
Head-to-Head-Finale wurde abgelöst durch ein Finale, bei dem alle Wettkämpfer drei Läufe haben, von denen am Ende
der beste zählt. Nach jedem Durchgang wird die Reihenfolge entsprechend der aktuellen Platzierung neu gestaltet,
so dass der Erstplatzierte jeweils als Letzter ins Wasser geht.
Und Stephan zeigt bereits in seinem zweiten Lauf, dass er am Finaltag in Topform war: mit Aerial Blunts
im Open Boat (ja, das geht wirklich!) und weiteren kontrollierten Moves schob er sich an die Spitze des Feldes.
Da keiner der anderen Wettkämpfer seinen Top-Score überbieten konnte, stand er bereits als Weltmeister fest,
bevor sein letzter Lauf begann. Ganz entspannt konnte er diesen „für das Publikum“ fahren, und bekam großen
Applaus von dem Zuschauern an beiden Flussufern.
Tobi Hüther zeigte in seinen Finalläufen ebenfalls sehr gute Leistungen und erreichte letztendlich den etwas
undankbaren 4. Platz. Viele hatten ihn auf dem Podium gesehen, doch anscheinend hatten die Judges in ihrer extra
für sie gebauten Schiedsrichter-Hütte einen anderen Blick auf die Geschehnisse und so endete Jeremy Lauks auf
Tobis 3. Platz.
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Beide OC1 Finalisten hatten am frühen Freitag Morgen schon im C1 antreten müssen, als es für sie in
den Vorläufen um den Einzug ins C1-Finale ging. Stephan verpasste auf Platz 6 mit nur 1,66 Punkten Rückstand ganz
knapp die Finalplätze und damit seine Chance auf eine weitere Medaille. Schade, denn seine Läufe waren wirklich
beeindruckend. Tobi Hüther konnte im C1 nicht ganz zu seiner Form finden und landete etwas weiter hinten als gehofft.
Der dritte nominierte C1-Paddler Fabian Krummreich hatte sich drei Tage vor dem Wettkampf wir berichtet ebenfalls
an der Schulter verletzt und konnte nicht starten: seinen Startplatz übernahm kurz entschlossen der Junior Felix
Junge, der am Donnerstag bereits im K1 stark unterwegs war. Doch die fehlende C1-Praxis merkte man ihm an: nach
einem kontrollierten 1. Lauf, landete er beim 2. Start weit links im Walzenteil des Buseater und wurde erstmal
ordentlich durchgespült. Danach kämpfte er lange, um wieder hochzurollen, und wurde schließlich von der Safety-Crew
im Motorboot „gerettet“ und wieder auf die Insel zurück gebracht.
Ebenso wie das bereits erwähnte OC1- Finale waren auch die anderen Endrunden der diesjährigen WM spannend und
diejenigen Paddler, die die Vorrunden dominiert hatten, mussten sich ordentlich anstrengen, um auch in der letzten
und alles entscheidenden Runde ihren ersten Platz zu verteidigen. Nicht allen gelang das, …. doch der Reihe nach:
Bei den Juniorinnen zeigt Emily Jackson wie erwartet, dass die harte Arbeit zwischen der für sie enttäuschenden WM
in Penrith und diesem Jahr nicht vergebens war: Verdient trug sie den Titel davon, dicht gefolgt von der sehr
starken Holländerin Martina Wegmann und der Spitzenpaddlerin Nouria Newman.
Die Juniorinnen zeigten in allen Läufen, dass sie auch zur Weltspitze gehören werden, wenn sie in ein oder zwei
Jahren bei den Damen starten werden. Und von denen zittern einige schon jetzt angesichts der zu erwartenden
Konkurrenz.
Bei den Damen machte Favouriten Ruth Gordon es für sich und alle anderen sehr spannend. So sehr sie auch die
Vorrunden dominiert hatte, zeigt sie doch im Finale zunächst deutliche Anzeichen von Nervosität. Ihren ersten
Lauf beendete sie mit 9 Punkten und kam damit nur auf Rang 4, bei ihrem zweiten Versuch scheiterte sie am Seil,
mit dem man sich in die Welle hineinziehen musste und bekam damit eine große „0“ auf ihr Score-Sheet.
Alles hing nun am dritten und letzten Lauf: doch in dem fand sie wieder zu ihrer alten Form und beeindruckte
Zuschauer und Konkurrenz mit genialen Clean Blunts, Backsteps und PanAms! Damit sicherte sie Kanada einen weiteren
Titel und für die starke Paddlerin Tanya Faux aus Australien blieb „nur“ Platz 2. Dritte wurde wie auch schon vor
zwei Jahren in Penrith die Engländerin Fiona Jarvie.
Das C1-Finale – leider ohne deutsche Beteiligung – sah starke französische Paddler im Wettkampf mit Kanadiern und
Amerikanern. Marc Girardin (Frankreich), unverwechselbar, da er mutig mit einem pinken Helm an den Start ging,
konnte noch am ehesten mit den sehr guten Wellenfahrern aus Montreal mithalten. Für ihn reichte es letztendlich
zur Silbermedaille, Gold ging an Dan Burk aus den USA und der kanadische Paddler Guillaume la Rue gewann eine
weitere Bronzemedaille für das Gastgeberland.
Das Finale der Junioren schien bereits im Voraus entschieden zu sein. Leichtgewicht Dane Jackson, der quasi nicht
aus der Welle herausfallen konnte und damit gegenüber seinen um mindestens 2 Köpfe größeren Kontrahenten einen
entscheidenden Vorteil hatte, ging als klarer Favourit in die letzte Runde. Doch die „großen“ Jungs zeigten dem
erst 13jährigen, dass sie es ihm nicht zu leicht machen wollten und trumpften ordentlich auf. Letztendlich ging
der Titel an den Amerikaner Evan Garcia, Thomas Fahroun aus Kanada wurde 2. und für Dane Jackson gab es die
Bronzemedaille.
Spät am Nachmittag stand dann der lang erwartete Höhepunkt an: 2 Kanadier (Nick Troutman, Tyler Curtis),
1 Amerikaner (Eric Jackson) und 2 Europäer (der französische Europameister 2006 Matthieu Dumoulin und Peter
Csonka aus der Slovakei) traten an, um den Titel unter sich auszumachen. Wer würde am Ende die besten Nerven
haben und die „kurzen“ 45 Sekunden auf der Welle am besten ausnutzen? Denn dass paddeltechnisch alle 5 in der
Lage waren, auf der Welle alle Tricks sauber zu fahren stand außer Frage.
Der Lokal Tyler Curtis konnte offensichtlich am wenigsten mit dem Druck der Situation umgehen: seine 3 Läufe
waren alle enttäuschend, meistens fiel er bereits nach seinem ersten Lauf aus der Welle. Platz 5 für ihn, das war
schnell klar. Doch die anderen 4 Paddler machten es spannend: alle fuhren grandios und nach jedem Lauf warteten die
Zuschauer gespannt auf die Verkündung der Punkte aus dem Schiedsrichterhaus, um zu wissen, wer aktuell in Führung
lag. Nick Troutmann, in seinem ersten Jahr bei den K1-Herren hatte den ganzen Wettkampf über den ersten Platz inne
gehabt, doch jetzt musste er ihn zum ersten Mal abgeben.
Er versuchte zwar alles, um ihn wieder zu erkämpfen, doch am Schluss blieb für ihn der 3. Platz und damit die
Bronzemedaille. Etwas unglücklich auf Platz 4. landete Matthieu Dumoulin: viele hatten erwartet, ihn auf dem
Podium zu sehen und seine gut durchgeplanten und mit erstaunlicher Präzision gefahrenen Läufe waren allesamt
überdurchschnittlich, doch ihm fehlte einfach das Glück, um auch seinen letzten „großen Trick“ sauber zu stehen
und damit den Highscore zu brechen. Besser erging es da dem Slovaken Peter Csonka: der sonst bei großen Events so
oft vom Pech verfolgte Ausnahme-Athlet zeigte im richtigen Moment Stärke und gewann seine erste Medaille bei einer
Weltmeisterschaft. Als Vizeweltmeister eroberte er die Herzen der Zuschauer, was sich bei der Siegerehrung am Abend
deutlich zeigte. Stehende Ovationen und der längste Applaus der gesamten Zeremonie gehörten ihm.
Als alter und neuer Weltmeister bei den Herren ging wieder einmal Eric Jackson aus dem Finale hervor.
Der „alte Mann“ zeigte allen, dass er nicht nur ein hervorragender Paddler sondern vor allem auch ein abgeklärter
Wettkämpfer ist. Genau im richtigen Augenblick zog er seine besten Läufe hervor und gewann die dritte Medaille für
die Jackson-Family an diesem Tag.
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Alle Ergebnisse im Überblick:
K1 Herren
1. Eric Jackson (USA)
2. Peter Csonka (Slovakei)
3. Nick Troutmann (Kanada)
15. Simon Strohmeier (Deutschland)
28. Markus Leppänen (Deutschland)
35. Sebastian Striebel (Deutschland)
41. Stefan Haderer (Deutschland)
53. Sven Perschmann (Deutschland)
K1 Damen
1. Ruth Gordon (Kanada)
2. Tanya Faux (Australien)
3. Fiona Jarvie (Großbritannien)
16. Susanne Spölmink (Deutschland)
20. Ingrid Schlott (Deutschland)
23. Almut Sohn (Deutschland)
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K1-Junioren
1. Evan Garcia (USA)
2. Thomas Fahroun (Kanada)
3. Dane Jackson (USA)
11. Fiete Junge (Deutschland)
14. Felix Junge (Deutschland)
26. Basti Lexa (Deutschland)
K1-Juniorinnen
1. Emily Jackson (USA)
2. Martina Wegmann (Niederlande)
3. Nouria Newmann (Frankreich)
8. Melanie Wolff (Deutschland)
C1
1. Dan Burke (USA)
2. Marc Girardin (Frankreich)
3. Guillaume la Rue (Kanada)
6. Stephan Pätsch (Deutschland)
12. Tobias Hüther (Deutschland)
17. Felix Junge (Deutschland)
OC1
1. Stephan Pätsch (Deutschland)
2. Jordi Domenjo (Spanien)
3. Jeremy Lauks (USA)
4. Tobias Hüther (Deutschland)
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